Lyrik – mein schönstes Gedicht Minuten der Stille ohne Zeit und Raum

Zum Totensonntag

Zum Totensonntag

Novembernebel umhüllen gespenstisch die
hohen noch spärlich belaubten Kastanienbäume.

Auf den Gräbern mühen sich Totengedenklichter
in rot und weiß leuchtend durch den dichten Nebel,
und mir ist als tanzten die Seelen der Verstorbenen
einen lustigen Reigen.

„Sei fröhlich“ rufen sie dem Friedhofsgänger zu.
„Weine nicht weil ich gegangen bin.
Freue dich der Zeit die uns verband“.

So erzählte es mir Großmutter und erfand stets
aufs Neue kleine Anekdoten um die tanzenden
Seelen an Totensonntag.

Längst ist ihr Grab verweht – eingeebnet.
Doch ihre Seele tanzt noch immer für mich
beim Friedhofsgang am Totensonntag.

Doris Lauck

 

 

 

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