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Kaspergeschichten Teil 3

K A S P E R

Teil 3

Kasper und der geheimnisvolle Unbekannte.

„Ich hätte es wissen müssen! O ja, ich hätte es wissen müssen!“
Großmutter ging streng mit sich zu Gericht. Sie rief die Familie zusammen,
warf Kaspers Eltern Versagen vor, ignorierte das Gejammer des Priesters
und beschloss gesund zu werden.

Nach einer Woche ging es Großmutter schon besser und sie konnte das
Bett verlassen. Hühnersuppe mit Sellerie und Salbeitee mit Ingwer und
Honig halfen ihr gesund zu werden. Kasper und Gretel begleiteten sie beim
Spaziergang an der frischen Luft.

Oft dachte sie an Zacharias Simsala und seine verwerfliche Tat. Wo mag er sein?
Wen sie auch fragte, es war, als sei er vom Erdboden verschwunden, von einem
Krokodil verschlungen, vom Räuber verschleppt, im Meer ertrunken oder er
habe seine Zauberkraft verloren.

Kasper und Gretel waren wieder zu Lausekindern geworden, trieben sich
mit Vorliebe am Spritzenhaus herum, lugten durch das Gitter, denn man
erzählte sich, der Gendarm habe Hotzenplotz eingekerkert.

„Man müsste es herausfinden! Aber wie?“

Kasper holte seine Mundharmonika hervor und spielte so grässlich und
laut, dass es in den Ohren weh tat, weil es sich wie Katzenjammer anhörte.
Auch als der Gendarm aus dem Spritzenhaus wütend mit den Händen
fuchtelnd herausgerannt kam und um Ruhe bat, weil er sich sonst nicht
auf seine Arbeit konzentrieren könne, spielte Kasper munter weiter.
Kurzerhand entriss der Gendarm Kasper die Mundharmonika und erklärte
sie für beschlagnahmt. Kasper brüllte los und rief: „Das dürfen sie nicht,
ich brauche meine Harmonika für einen guten Zweck. Ich spiele für den
ausgebüxten Papagei von Großtante Albertina. Er flog direkt in Richtung
Spritzenhaus. Sie müssen wissen Herr Gendarm, Tante Albertina hat den
Papagei von Herrn Hotzenplotz für viel Geld gekauft, und der Papagei ist
auf die Mundharmonika dressiert. Bitte geben sie mir die Mundharmonika
zurück“.

„Ich sehe keinen Papagei. Warum sollte er zum Spritzenhaus fliegen?“

„Keine Ahnung. Womöglich hat er Heimweh nach seinem Herrn und
Meister Hotzenplotz und glaubt ihn hier zu finden.“

„Dummes Zeug, hier ist weder ein Hotzenplotz noch ein Papagei. Nimm
deine Mundharmonika und verschwinde.“

„Gut, dann komme ich mit rein ins Spritzenhaus und gebe eine
Vermisstenanzeige auf.“ Entschlossen nahm Kasper Gretel bei der Hand
und sie folgten dem Gendarm in sein Büro. Aufmerksam schaute sich
Kasper um, merkte sich die Tür zur Zelle und den Platz wo der
Schlüsselbund hing – flüsterte Gretel etwas zu, worauf beide das
Spritzenhaus verließen. Wieder draußen, glaubte Kasper ein Geräusch zu
hören, es kam aus dem Keller und drang durch den Lichtschacht nach oben.

Am nächsten Tag warf Kasper Brausebonbons in den Lichtschacht.
„Danke, aber ein Handy wäre mir lieber“ sagte eine Stimme aus der Tiefe.

„Mein Handy brauche ich selbst“, erwiderte Kasper und fragte in den
Lichtschacht: „Was gibst du mir, wenn ich dich heraushole?“

„Ein Kartenspiel mit gezinkten Karten“, versprach der Unbekannte.

„Ich werde sehen, was ich für dich tun kann, doch jetzt muss ich nach
Hause.“

„Denkst du das gleiche wie ich?“ fragte Gretel auf dem Heimweg.
„Es kommt darauf an, was du denkst. Ich denke, wir versuchen ihn zu
befreien, dann sehen wir, wer er ist. Aber kein Wort zu Großmutter!“

„Ich schwöre!“

Der Tisch war schon eingedeckt als sie in die Stube kamen, noch rasch
die Hände waschen, dann gab es Abendbrot. Kasper entschuldigte das
Zuspätkommen: „ Wir haben nach Tante Albertinas Papagei gesucht und
uns in der Zeit vertan“ was nicht geschwindelt war.

„Aber Kinder, der Papagei ist doch längst wieder zurück. Was ist schon
Freiheit gegen Tantes Albertinas Leckerli.“

„Prima“ dachte Kasper, so haben wir einen guten Grund morgen erneut
den Gendarm aufzusuchen und können bei dieser Gelegenheit das
Kellergewölbe ausspionieren.

 

Fortsetzung folgt

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